Anerkennung der OU

In den letzten Tagen gab es eine kleine (nicht sehr heftige) Debatte zur OU und deren Anerkennung im Forum des DD121-Kurses.

Angestoßen wurde es durch eine Mitstudentin, die zuvor an einer Präsenzuni in GB studiert hatte und dann einen Kurs an der OU belegt hat. Beklagt hat sie in erster Linie, dass man ihr geraten hat, auf Level 1 anzufangen, sie sich aber nicht besonders ausgelastet gefühlt hat. Diese schlechte Beratung hat sie der OU negativ angekreidet. Außerdem erwähnte sie auch, dass der OU-Abschluss ohnehin nicht überall in GB Anerkennung findet, und dass Bachelorabschlüsse (im Allgemeinen) ohnehin nichts Besonderes mehr seien, sodass man damit wohl auch keine besonders gute Stelle bekommen kann.

Ihre Einschätzung wurde von einigen Studenten geteilt, andere wiederum haben protestiert.

Ich für meinen Teil habe diese Diskussion nur in aller Stille verfolgt, zumal für mich in Deutschland ohnehin eine etwas andere Situation herrscht. Nichtsdestotrotz ist die Anerkennung eines Abschlusses im Ursprungsland auch wichtig für die Anerkennung im Ausland.

Ohne jetzt im einzelnen auf die verschiedenen Meinungen der britischen Studenten einzugehen, habe ich für mich (schon zu Beginn des Studiums) ein paar Dinge klargestellt, die mir zumindest geholfen haben, mich für die OU zu entscheiden.

  • Welches Fach will ich studieren?
  • Was will ich damit machen?
  • Welche Möglichkeiten habe ich mit dem Abschluss (beruflich/postgradual)?

Für mich war dabei natürlich wichtig, wie angesehen/anerkannt der Abschluss am Ende ist. Allerdings sind Anerkennung und Ansehen so eine Sache, und meines Erachtens muss man einen akademischen Abschluss durchaus auch in Verbindung mit der gesammelten Lebens-/Berufserfahrung sehen.

Was für mich einigermaßen wichtig war ist die Anerkennung durch die britischen Psychologenvereinigung sowie die Tatsache, dass die deutsche Psychologenvereinigung Bachelorabsolventen der OU als Mitglieder aufnimmt. Damit sehe ich zumindest eine formale Anerkennung des Abschlusses, auch wenn das noch nicht viel heißt in Bezug auf Festanstellung und mögliche postgraduale Weiterbildung.

Gerade im sozialen und medizinischen Bereich denke ich, ist es schwierig eine Festanstellung zu bekommen, wenn man einen ausländischen Abschluss hat. Ich kenne eine Menge Ärzte und Krankenschwestern aus osteuropäischen Ländern, die große Schwierigkeiten haben ihre Abschlüsse und ihre Berufserfahrung voll anerkannt zu bekommen. Häufig legt man ihnen nahe, die ganze Ausbildung hier nochmal zu machen oder eine weniger qualifzierte Stelle anzunehmen.
Die Frage, die ich mir daher gestellt habe ist, ob ich mit einem Bachelor in Psychology eine Festanstellung in D anstreben kann.
Persönlich konnte ich das mit ja beantworten, aber nicht in erster Linie, weil ich vom Ansehen des OU-Bachelors vollkommen überzeugt bin, sondern weil ich eine gewisse Vorbildung und Erfahrung in dem Bereich habe. Ich denke, dass für mich der Abschluss daher eine Ergänzung des bisherigen Werdegangs darstellt, der gut reinpasst. Das muss nicht zwangsläufig auf alle zutreffen, die den Abschluss erlangen.

Langfristig stellt sich für mich die Frage des Ansehens bei potenziellen Arbeitgebern aber nicht wirklich, da ich eine selbstständige Tätigkeit im psychosozialen Bereich anstrebe und damit Festanstellungen nicht wirklich von großer Bedeutung sind für mich.

Zu guter Letzt dann noch die Frage, welche Weiterbildungen ich mit dem Abschluss in Angriff nehmen kann. Ich habe eigentlich keine großen Bedenken, was die Weiterbildung im Bereich Beratung/Counselling angeht. Auch da sehe ich wieder, dass der Abschluss mit meinem bisherigen Werdegang ein rundes Bild ergibt.
Anders sieht es aber aus bei akademischen Weiterbildungen, d.h. ob ich mit dem BSc Psych. grundsätzlich die Möglichkeit habe, einen Master draufzusetzen. Durch die gegenseitige Anerkennung der Abschlüsse besteht da zumindest rein theoretisch keine Einschränkung – ich kann mich mit meinem Bachelorabschluss an einer deutschen Uni für einen Master bewerben.

In der Praxis könnte es aber tatsächlich anders aussehen. Zum einen denke ich, hängt es mit der Umstellung auf Bachelor/Master zusammen – es ist auch in Deutschland zukünftig so, dass nicht alle Bachelorabsolventen in Psychologie die Möglichkeit haben werden, einen Master zu machen – zumindest nicht überall und in jedem gewünschten Fach. Ich denke, dass man hier in den nächsten Jahren vermehrt aussieben wird (bei den eigenen Absolventen genauso wie bei Absolventen mit fremden Abschlüssen), und da denke ich, werde ich mit meinem OU-Abschluss schlichtweg den Kürzeren ziehen (zumindest im sehr beliebten Bereich klinische Psychologie an meiner alten Uni, die für mich die nächstgelegene Uni mit dem entsprechenden Studienangebot wäre).

Zum anderen wird es gerade im Bereich klinische Pychologie Vorbehalte gegen Absolventen wie mich geben. Ganz ehrlich kann ich das auch nachvollziehen. Psychologie ist nunmal ein Fach, das in vielen (nicht allen) Bereichen vom persönlichen Kontakt mit Patienten und Klienten lebt. Mit einem Abschluss einer Fernuni wird man mir nicht die gleiche Kompetenz im Umgang mit Menschen zusprechen, wie jemandem, der seinen Abschluss „auf normalem Wege“ erlangt hat.

Was man sicherlich nie absprechen kann, sind praktische Erfahrungen in einem bestimmten Bereich, weshalb ich persönlich die Meinung vertrete, dass man unbedingt zusehen muss, irgendwo unterzukommen, wo man diese Erfahrung sammeln kann – zur Not unbezahlt und auf freiwilliger Basis. Das beziehe ich im übrigen auch auf mich selber, trotz der bereits erwähnten Vorausbildung und Erfahrung.

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2 Gedanken zu „Anerkennung der OU

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