Die OU in der Kritik

Mit den Studienmaterialien für den nächsten Kurs lag auch die aktuelle Ausgabe von „Society Matters“ dabei.

Dabei handelt es sich um eine Art Zeitschrift, die von der sozialwissenschaftlichen Fakultät der OU herausgegeben wird. Beiträge kommen von verschiedenen Seiten und die Themenvielfalt reicht von eher ökonomischen Fragen (Globalisierung, Arbeitsplätze, usw.) über zeitkritische Themen (Irak-Krieg, Probleme in der westlichen Welt) bis hin zur OU selber.

Das Format ist A3, und es hat mich doch sehr erstaunt als ich eine ganze Seite (!) kritischer Berichte zum OU-Tesco-Deal gefunden habe. Wer selber einen Blick reinwerfen möchte, kann dies hier tun (PDF-Download).

Worum geht es dabei? Tesco ist eine der größten Supermarktketten in UK. Der Umsatz 2006 war so hoch wie das Bruttoinlandsprodukt von Peru. Wie viele andere Supermarktketten – auch in Deutschland – besitzt Tesco eine Art Club und bietet den Mitgliedern die Möglichkeit, durch Einkäufe Rabattpunkte zu sammeln. Es ähnelt bis hierhin stark dem in Deutschland bekannten Payback-System, das ja auch hierzulande nicht ganz unumstritten ist.

Die OU und Tesco haben sich nun also darauf geeinigt, dass diese Rabattpunkte auch zum Bezahlen von OU-Kursen eingelöst werden können. Auf den ersten Blick ist das natürlich eine feine Sache, vor allem für die, die sowieso schon einige Punkte angehäuft haben. Auf den zweiten Blick mutet das Ganze natürlich etwas seltsam an. Denn Tescos Ruf in UK ist alles andere als gut, es wird sogar davon gesprochen, dass er das McDonald’s- und WalMart-Niveau erreicht hat.

Neben den üblichen Anschuldigungen, mit seiner Führungsstellung Druck auf Lieferanten und Marktpreise auszuüben, wird vor allem auch die Personalpolitik scharf kritisiert. Die oben genannten Artikel üben jedoch die größte Kritik an der Tatsache, dass die Rabattpunkte die Kursgebühren nur zu einem unwesentlichen Teil senken – es sei denn, man ist bereit in den nächsten 12 Monaten mehrere 100.000 britische Pfund bei Tesco liegen zu lassen, oder in den nächsten 16 Jahren fleißig sammeln möchte, denn dann wäre ein kostenloser Abschluss drin. Was ebenfalls negativ gesehen wird ist der Marketingeffekt, der dadurch für Tesco entsteht.

Ganz klar ist, dass die OU oder deren Studenten keinen oder nur minimalen Nutzen daraus ziehen, Tesco hingegen dadurch mehr Gewinn macht. Was allerdings überhaupt nicht zusammenpasst, ist die Tatsache, dass die OU sich der „sozialen Gerechtigkeit“ verschrieben hat – und das kann man bei Tesco wirklich in keinem Regal finden.

Ich denke schon, dass es ziemlich „rufschädigend“ wäre, wenn die Fernuni Hagen einen ähnlichen Deal mit Payback abschließen würde. Insofern kann ich die Entrüstung schon verstehen.

Advertisements

3 Gedanken zu „Die OU in der Kritik

  1. Ich habe gerade den genannten (und einige andere, unter anderem von einem älteren OU-Studierenden) gelesen und finde es schon positiv, dass die OU solchen kritischen Stimmen Platz einräumt. Ob der Deal mit Tesco nun geschickt war oder nicht, dass sei einmal dahin gestellt. Eine Marketing-Wirkung hat es nicht nur für Tesco, sondern sicher auch für die OU. Ggf. werden dadurch auch potentielle Kunden erreicht, die man auf anderem Wege nicht erreichen könnte.

    In Deutschland hat das ILS vor kurzem zwar nicht mit Payback, aber mit Tchibo zusammengearbeitet (mehr Infos hier). Auch das sicher ein Weg, um an Interessenten heran zu kommen, die über die klassischen Werbewege in Print und Internet nicht erreicht werden können.

  2. Ich sehe eigentlich kein Problem, wenn solche privaten Unternehmen wie ILS oder andere Kooperationen mit Unternehmen eingehen, um Synergien zu nutzen. Allerdings ist die OU eine Universität, die u.a. auch staatliche Fördermittel kriegt, und – wie auch schon erwähnt – für soziale Gerechtigkeit und andere soziale Grundsätze eintritt. Da passt Tesco schlicht und ergreifend einfach nicht dazu.
    Wenn man aber andererseits lieber solche Syngerien nutzen möchte, als sich ehrenvollen Zielen hinzugeben, muss man aber auch so fair sein und sich das eingestehen.

    Ich persönlich finde es auch positiv, dass solche Kritik geduldet wird.

  3. Pingback: Fernstudium in Presse und Internet - Nr. 40 - Fernstudium-Rundschau

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.