Mit der Vergangenheit abschließen

Als ich 2006 das erste Mal über die Open University stolperte, wollte ich ursprünglich meine Scheine aus dem Präsenzstudium anerkennen lassen, um einen Abschluss in Life Sciences zu erhalten. Also belegte ich einen 10-Punkte-Kurs in Humangenetik, um mich mit der Lernweise und den Ansprüchen der OU vertraut zu machen.

Erwartungsgemäß war der Kurs nicht besonders schwer für mich und stellte eine Wiederholung von bereits vorhandenem Wissen dar. Die Lernmaterialien waren wirklich hervorragend und auch die Art und Weise des Lernens gefiel mir ausgezeichnet. Ich konnte es mir nach dem Kurs also wirklich gut vorstellen, an der OU weiterzustudieren. Allerdings war ich von der naturwissenschaftlichen Materie gar nicht mehr angetan und beim Durchlesen des Curriculums für Life Sciences hatte ich so den Eindruck, mich wieder in den alten Trott zu begeben. Nachdem ich das komplette Angebot der OU durchstöbert hatte, blieb ich bei den Sozialwissenschaften bzw. Psychologie hängen. Zumindest auf dem Papier gefiel mir das gut und ich entschied mich, einen Level-1-Kurs zu belegen, der mir sowohl die Tür für SoWi als auch Psy offen halten würde.

Und mit der Zeit merkte ich auch, dass ich die richtige Wahl getroffen hatte. Vor allem als ich mitten in SD226 (Biologische Psychologie) steckte und schon wieder mit Biologie in Berührung kam, war mir klar, dass ich auf keinen Fall wieder in diese Richtung gehen wollte. Kurzum: Eigentlich war alles gut. Eigentlich.

Aber mit der Zeit kamen immer wieder Zweifel auf und ich ärgerte mich auch darüber, so viele Jahre an der Uni einfach verschwendet zu haben. Sollten all die Jahre Präsenzstudium also für die Katze gewesen sein? All die Scheine, all die Prüfungen, all die schlaflosen Nächte, der Frust nach verhauenen Klausuren und die zeitaufwändigen Praktika? So recht wollte ich das nicht akzeptieren.

Also nahm ich nochmal mit meiner alte Uni Kontakt auf. Zurück in den alten Studiengang ging nicht mehr. In den neuen würde man mich nur aufnehmen, wenn ich mich ganz regulär für das erste Fachsemester bewerben und einen Platz bekommen würde. Erst dann könnte ich meine Scheine anerkennen lassen.

So recht wusste ich nicht, ob ich es auch tun sollte. Ich hatte die Hoffnung, dass ich mit recht wenig Aufwand recht schnell zu einem Abschluss kommen könnte. Irgendwie ging es mir nur um den Abschluss, denn das Studium an der OU wäre davon unberührt geblieben. Ich hätte ja weiterstudiert, um auf jeden Fall den BSc zu bekommen. Mir war nur die Anerkennung der über all die Jahre erbrachten Leistungen wichtig. Mehr wollte ich nicht. Also bewarb ich mich doch, obwohl ich genau wusste, dass ich nie und nimmer in diesem Bereich arbeiten wollte.

Beim ersten Mal wurde ich abgelehnt, aber es hieß, ich solle es weiter probieren. „Im Sommersemester gibt es ohnehin weniger Plätze als im Winter.“ Gesagt, getan. Aber das Ergebnis für das Wintersemester fiel auch nicht besser aus. Der Ablehnungsbescheid kam heute.

Und nach zwei Absagen habe ich mich nun entschlossen, die Tür endgültig zu schließen. Es gibt kein Zurück mehr. Traurig ist, dass damit all die Scheine für den Papierkorb sind. Natürlich habe ich meine Erfahrungen gesammelt, sowohl positive als auch negative. Es war nicht alles für die Katze. Aber unterm Strich habe ich viel zu viel Zeit und Energie hineingesteckt. Schade.

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5 Gedanken zu „Mit der Vergangenheit abschließen

  1. Hm, das ist ja schon irgendwie frustrierend. Und es gibt keine Möglichkeit, Dir die Scheine doch irgendwie zum Beispiel an einer anderen Uni anrechnen zu lassen, so dass Du noch einen Nutzen davon hast?

    • @Markus: Ich habe es bisher bei keiner anderen Uni versucht, weil ich ortsgebunden bin. Und ich gehe davon aus, dass selbst bei Anrechnung aller meiner Scheine immer noch ein kleiner Teil nachgeholt werden muss. Gerade wenn es sich um Labore o.ä. handelt, muss ich also vor Ort sein, und das ist mit Kindern nicht so einfach. Ich bin also auf meine alte Präsenzuni angewiesen.

      Möglicherweise bestünde die Möglichkeit, einen Teil meiner Scheine für einen anderen Studiengang anrechnen zu lassen. Aber ohne konkrete Bewerbung kann/will mir niemand sagen, wie viel ich dann doch noch nachholen müsste. Wenn es nur ein, von mir aus zwei Semester wären, dann wäre das sicherlich okay. Aber zu mehr bin ich nicht bereit. Von daher sehe ich das eher als sinnloses Unterfangen an, überhaupt weiter zu bohren, zumal ich ja sowieso nicht in diesem Bereich tätig werden möchte.

  2. Hach. Das erinnert mich an einen Beitrag, den ich im Geiste auch schon formuliere. Um nicht völlig in Sentimentalitäten zu schwimmen: Ich glaube tatsächlich, das Entscheidende ist es, die Erfahrungen und das Wissen des Präsenzstudiums mitzunehmen und die zusätzliche Arbeit und eben nicht anrechenbaren Scheine einfach als (ärgerliche) Verlängerung hinzunehmen, wie es eben im Leben so viele gibt.

    Ich habe bei einer Suche des Blogs keine Credit-Transfer-Artikel gefunden – hast du das nicht versucht, schien es gleich vollkommen aussichtslos oder was war passiert?

    • @Burtchen: Ich habe keinen Credit Transfer beantragt. Wie gesagt, man hätte mir in Psychologie allerhöchstens die biologische Psychologie erlassen, mehr aber auch nicht. Und für einen Science-lastigen Studiengang habe ich es ja gar nicht versucht, weil ich schon nach dem Humangenetik-Kurs wusste, dass ich mir das gar nicht mehr antun will.

      Insofern halte ich es, wie du es schreibst: Ich nehm die Erfahrung und lass es gut sein.

  3. Hey Sonja, ich finde deine Entscheidung gut, auch wenn du damit all die Scheine „spülst“. Die Zeit an der Uni hat dir sicher trotzdem etwas gebracht und das wirst du für die Zukunft in der einen oder anderen Weise nochmal gebrachen. Ganz für die Katz ist solch eine Erfahrung bestimmt nicht.

    Mit etwas abzuschliessen um somit besser mit sich im Reinen zu sein, ist immer eine gute Sache. Es hilft die Kraft auf die eine aktuelle Aufgabe zu kanalisieren.

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