ED209: Abschließende Worte

Ich habe jetzt hin und her überlegt, ob ich noch etwas über ED209 schreiben soll. Eigentlich hatte ich die abschließende Analyse/Meinung ja versprochen, aber der Kurs steckt mir irgendwie immer noch (negativ) in den Knochen, von daher weiß ich nicht, ob das eine sonderlich gute Idee ist. Da ich aber bisher zu jedem meiner Kurse eine solche Zusammenfassung gepostet habe, mache ich es halt auch diesmal.

Der Kurs hieß in voller Länge „Child development“. Thematisch ging es um Entwicklungspsychologie in allen Bereichen, die während der kindlichen Entwicklung eine Rolle spielen. Angefangen von der Seh- und Lauffähigkeit von Säuglingen und den Lernprozessen bis hin zum Erlernen von Sprache, von Identitätsbildung, Bindungsverhalten im Kindes- und Erwachsenenalter, Lernfähigkeit im Schulalter, usw. Es war wirklich viel dabei, man kann also nicht meckern, dass der Kurs sich nicht Mühe gegeben hätte, einen breiten Einblick zu gewähren. Es ist aber sicherlich trotzdem nicht möglich gewesen, wirklich alles abzudecken, was es zu diesem Thema gibt (was – glaube ich – verständlich ist).

Zu Beginn des Kurses – in Buch 1 – war ich noch recht guter Dinge. Es ging um die absoluten Grundlagen, z.B. die vier großen Theorien Behaviorismus, sozialkognitive Lerntheorie, Konstruktivismus und sozialer Konstruktivismus, aber auch um die Gegenüberstellung von Empirismus und Nativismus und letztlich um die alte Debatte nature vs. nurture. So weit, so gut.

Buch 2 beschäftigte sich hauptsächlich mit Bindungstheorien und wie stark der elterliche Einfluss in der Kindheit das Erwachsenenalter prägt. Prinzipiell war die Debatte bzw. das Thema ganz OK. Auch ich als Mutter habe mit Ängsten zu kämpfen, dass ich meine Kinder für ihr Leben zeichne, nicht nur im Guten, sondern auch im Schlechten. Das will natürlich niemand. Insofern fand ich die Diskussion gut und wichtig. Was mir nicht gefiel war das ständige Umeinanderwerfen mit Studien, Studien und nochmal Studien. Ich war irgendwann soweit, dass ich nicht mehr unterscheiden konnte, welche Studie denn nun die Theorie bestätigte (und warum) und welche sie widerlegte (und warum). Es war einfach zu viel des Guten. Und ganz am Schluss hieß es dann, dass man nichts Genaues weiß. Super.

In Buch 3 ging es dann um die sprachliche Entwicklung und da muss ich ehrlich gestehen, habe ich irgendwann die Reißleine gezogen. Das Thema wurde meines Erachtens nicht ganz sachlich angegangen, weil man z.B. behauptete, der Empirismus böte die besseren Argumente, selbst wenn man zugeben musste, dass man dafür gar keine Beweise hatte – „aber er ist einfach ökonomischer, wir finden ihn sinnvoller und überhaupt mögen wir die Nativisten nicht“. Zumindest kam das bei mir so rüber. Auch hier jagte eine Studie die nächste und ehrlich gesagt, habe ich mich am Ende gefragt, was zum Teufel die sich mit dem kompletten Buch eigentlich selber beweisen wollten. Dass sie zig Studien aus dem Ärmel zaubern können, die alles auf der Welt bestätigen oder widerlegen? Ich kann ehrlicherweise zugeben, dass ich es bis heute nicht herausgefunden habe.

Buch 4 habe ich mir dann gespart. Ich habe es einfach nicht mehr gelesen, weil dieses Eine-Studie-jagt-die-nächste mir zum Halse hinaushing und ich nicht den Eindruck hatte, wirklich sinnvolle Inhalte zu lernen. Ja klar, für die Klausur wäre es sinnvoll gewesen, aber fürs Leben? Ich weiß nicht.

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